PRESSEAUSSENDUNG Verein DERAD – Extremismusprävention und Demokratie 31.08.2026
DERAD besorgt nach Beendigung der Zusammenarbeit wegen des entstehenden Sicherheitsrisikos.
„Vor dem Einfluss der Muslimbruderschaft hat DERAD stets gewarnt“
„Deradikalisierung bedeutet die Anerkennung des säkularen, demokratischen Verfassungsstaates und einer pluralistischen Gesellschaft“
“Beendigung der Betreuung von rund 250 Klientinnen und Klienten, davon 90 auf freiem Fuss – Verein warnt vor dem Verlust von mehr als zehn Jahren praktischer Expertise in der Extremismusprävention. Rund 20 Prozent der betreuten Klienten stammen aus dem Bereich des § 3g Verbotsgesetz. Kontinuität ist in diesem Bereich besonders wichtig.”
“Die kritische Analyse der Schriften und Bücher in Justizanstalten findet nun nicht mehr statt. Auf Empfehlung DERADs wurden viele Bücher entfernt.”
„DERAD sensibilisierte in zahlreichen Schulworkshops Schülerinnen und Schüler für die Gefahren religiöser Radikalisierung. Die wiederholten Einladungen durch Lehrerinnen und Lehrer bestätigten die Bedeutung dieser Präventionsarbeit. Im vergangenen Schuljahr wurden in rund 80 Workshops etwa 2.400 junge Menschen erreicht.“
Wien, 31. August 2026
Der Verein DERAD nimmt die OTS-Presseaussendung und die damit verbundene Beendigung seiner bisherigen Tätigkeit im Bereich der Extremismusprävention und Deradikalisierung zur Kenntnis. “Besonders kritisch sieht DERAD, dass vor der Veröffentlichung der Vorwürfe über „Anhaltspunkte für einen Einfluss“ der von DERAD stets kritisierten Muslimbruderschaft kein Gespräch mit dem Verein gesucht und keine Möglichkeit eingeräumt wurde, dazu Stellung zu nehmen, zu erfahren worin dieser Einfluss bestehen und wie er sich konkret zeigen soll. Die Meldung erreichte DERAD via Presseaussendung.”
Noch bis vor rund einem Monat kam DERAD mit Vertretern des DSN zu Besprechungen zusammen. Sicherheitsbehörden verschiedener Bundesländer haben immer wieder Stellungnahmen von DERAD zu einzelnen Personen angefragt. In einem Gutachten analysierte DERAD beispielsweise die arabischen Schriften einer Person und warnte vor der von dieser Person ausgehenden Gefahr. Ein DERAD-Kollege wurde aufgrund seiner Tätigkeit von einem Radikalisierten mit dem Umbringen bedroht und auch auf andere Weise wiederholt angefeindet.
DERAD ist seit 2014 im Bereich der Extremismusprävention und Deradikalisierung tätig und führt diese Arbeit seit Anfang 2016 auf Grundlage einer vertraglichen Vereinbarung durch. In dieser Zeit wurden Personen aus dem politisch-extremistischen und terroristischen Spektrum sowohl in Justizanstalten als auch nach bedingten Entlassungen im Rahmen von Bewährungsbetreuungen begleitet.
Die Arbeit umfasst insbesondere Distanzierungs- und Deradikalisierungsarbeit, Gespräche mit Klientinnen und Klienten, die Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachdiensten sowie die laufende schriftliche Dokumentation der Entwicklungen. Diese Dokumentationen wurden an die Justizanstalten beziehungsweise im Zusammenhang mit gerichtlichen Weisungen an die zuständigen Gerichte übermittelt. Auch Sicherheitsbehörden ersuchten DERAD wiederholt um zusätzliche Stellungnahmen.
Tätigkeit seit 2016 – Zuschlag nach Ausschreibung des Justizministeriums 2025
DERAD arbeitet seit 2016 für die Generaldirektion des Justizministeriums. Im Jahr 2021 wurde eine der letzten Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt. Im Jahr 2025 führte das Bundesministerium für Justiz eine Ausschreibung für zwei neu konzipierte Bereiche durch. DERAD bewarb sich für einen der beiden Bereiche und erhielt dafür den Zuschlag. Die Tätigkeit sollte daher ab April 2026 auf Grundlage eines neuen Rahmenvertrages fortgesetzt werden. Sämtliche Subunternehmerinnen und Subunternehmer mussten zuvor namentlich bekannt gegeben werden. Ebenso mussten deren Qualifikationen und Erfahrungen offengelegt sowie die erforderlichen Unterschriften geleistet werden.
Die vereinbarten Leistungen umfassten unter anderem Abklärungsgespräche, Vor- und Nachgespräche mit den Fachdiensten, Gespräche mit den Klientinnen und Klienten sowie die übliche Berichterstattung. Die Leistungen wurden durch Subunternehmerinnen und Subunternehmer in verschiedenen Justizanstalten Österreichs sowie im Rahmen der Betreuung von Personen auf Bewährung erbracht und entsprechend dokumentiert. Die Abrechnungen erfolgten sowohl davor als auch danach stets nachträglich auf Basis der nachweislich tatsächlich geleisteten Einsätze und Arbeitsstunden.
Die fachliche Position von DERAD zu politischem und religiös begründetem Extremismus ist jedoch seit vielen Jahren öffentlich dokumentiert.
Die fachliche Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus und seinen ideologischen Grundlagen begann lange vor der heutigen praktischen Tätigkeit von DERAD.
Bereits 2011 erschien der Buchbeitrag „Ideologisierung des Islam und politisches Sektierertum“. Dieser setzte sich bereits zu diesem Zeitpunkt mit den ideologischen Grundlagen und Entwicklungen in den Bereichen Islamismus, Fundamentalismus, Radikalisierung, Muslimbruderschaft, Dschihadismus und Terrorismus auseinander. Die Veröffentlichung ist bis heute online abrufbar.
Diese Publikation steht exemplarisch für eine fachliche Auseinandersetzung, die deutlich vor der heutigen Tätigkeit von DERAD begann, sich über viele Jahre kontinuierlich weiterentwickelte und sich bis heute in weiteren Publikationen widerspiegelt.
Diese Entwicklung reicht bis in die Gegenwart. Die jüngste Publikation „Die Radikalisierten“ beschäftigt sich erneut mit den ideologischen Grundlagen – darunter auch jenen der Muslimbruderschaft –, den Erscheinungsformen und Folgen des islamistischen Extremismus sowie mit den Erfahrungen aus der langjährigen praktischen Arbeit in der Prävention und Deradikalisierung.
Gleichzeitig engagierte sich DERAD gegen antisemitische Umtriebe, setzte sich in Vorträgen mit Antisemitismus auseinander und pflegte den jüdisch-muslimischen Dialog.
Zwischen diesen Veröffentlichungen liegen fünfzehn Jahre kontinuierlicher wissenschaftlicher, pädagogischer und praktischer Auseinandersetzung mit Islamismus, politischem Extremismus, Radikalisierung und Deradikalisierung.
Die Position von DERAD ist dabei eindeutig: Der Verein tritt gegen politischen Extremismus in all seinen Erscheinungsformen ein – ausdrücklich auch gegen Formen des Extremismus, die religiös begründet oder legitimiert werden.
Deradikalisierung:
„Unser Ziel war nie lediglich die Abkehr vom Dschihadismus. Das ist nur ein erster Schritt. Erfolgreiche Deradikalisierung bedeutet für uns eine nachhaltige Distanzierung von extremistischer Ideologie insgesamt und eine Hinwendung zu einem demokratisch verfassten säkularen Rechts- und Verfassungsstaat, zur Einhaltung der Gesetze und zur Anerkennung einer pluralistischen Gesellschaft.“
Ziel ist damit nicht nur die Abkehr von einzelnen extremistischen Handlungen, sondern eine nachhaltige Distanzierung von extremistischen Weltbildern und die Entwicklung einer Haltung, die ein friedliches Zusammenleben in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft ermöglicht.
Diese Grundhaltung vertritt DERAD seit vielen Jahren in Publikationen, Interviews, Seminaren, Workshops und Vorträgen sowie in der konkreten Arbeit mit Klientinnen und Klienten. Andere Darstellungen stellen eine Verleumdung dar.
Sorge um rund 250 vorerst unbetreute Personen
Besonders besorgt zeigt sich DERAD über die unmittelbaren Folgen der Beendigung seiner Tätigkeit. Rund 250 Klientinnen und Klienten, die bisher im Rahmen der Justiz betreut wurden, verlieren damit vorerst ihre bisherige Betreuung durch DERAD. Betroffen sind sowohl Personen in Justizanstalten als auch Personen, die sich nach einer bedingten Entlassung auf Bewährung befinden.
„Wir müssen die Entscheidung zur Kenntnis nehmen. Gleichzeitig machen wir uns große Sorgen darüber, dass mit einem Schlag rund 250 Personen ihre bisherige Betreuung im Bereich der Extremismusprävention und Deradikalisierung verlieren. Gerade in diesem Arbeitsfeld sind Kontinuität und stabile Betreuungsbeziehungen von besonderer Bedeutung.“
Auch im Rahmen der Extremismusprävention in Wien sind Klientinnen und Klienten von der Beendigung betroffen und müssen künftig gegebenenfalls von anderen bestehenden Einrichtungen übernommen werden. Seit 2024 erhielt DERAD insgesamt 30 Aufträge von der MA 11. Seit Mai 2026 führte DERAD mit neun Jugendlichen Gespräche und erbrachte entsprechende Beratungsleistungen.
Präventions- und Bildungsarbeit vorerst gestoppt
Verlust von mehr als zehn Jahren praktischer Expertise
Neben der unmittelbaren Klientenarbeit endet vorerst auch ein wesentlicher Teil der Präventions- und Bildungsarbeit von DERAD.
Im vergangenen Schuljahr führte DERAD insgesamt 79 Präventionsworkshops an Schulen sowie in Einrichtungen und Partnerorganisationen des AMS für Jugendliche durch. Davon fanden 48 Workshops an Schulen und 31 in AMS-Einrichtungen statt. Rund zwei Drittel, insgesamt 53 Workshops, wurden in Wien durchgeführt, die übrigen in Niederösterreich und Oberösterreich. Über den Inhalt und die Wirkung der Workshops können die anwesenden Lehrkräfte Auskunft geben.
Über Jahre hinweg führte der Verein Workshops und Seminare sowie Vorträge und Fortbildungen für Fachkräfte aus dem sozialen Bereich, Lehrerinnen und Lehrer, Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Strafvollzugs durch. Auch die Vortragstätigkeit im Rahmen der Strafvollzugsakademie wurde damit beendet.
„Damit geht nicht nur eine konkrete Betreuungsleistung verloren. Ab sofort kann auch unsere über mehr als zehn Jahre aufgebaute praktische Expertise nicht mehr im bisherigen Umfang in Seminaren, Workshops und Vorträgen weitergegeben werden. Wir bedauern das sehr.“
Die Verbindung von fachlicher und wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit mehr als zehn Jahren praktischer Erfahrung in der unmittelbaren Arbeit mit Menschen aus dem extremistischen und terroristischen Spektrum stellt aus Sicht von DERAD eine wichtige Ressource für die Extremismusprävention dar.
„Wir sind überrascht und verärgert, dass nach mehr als zehn Jahren Zusammenarbeit vor der öffentlichen Erhebung der Vorwürfe kein Gespräch mit uns gesucht wurde. Wir hätten zumindest die Möglichkeit erwartet, zu den konkreten Vorwürfen, die uns nicht einmal näher bekannt sind, Stellung nehmen zu können.“
DERAD wird seine fachliche Arbeit und seine Position zu Extremismus, Radikalisierung und Deradikalisierung weiterhin transparent darstellen und die dazugehörigen Leistungen anbieten.
Über DERAD
DERAD ist seit 2014 im Bereich der Extremismusprävention und Deradikalisierung tätig und arbeitet seit Dezember 2015 auf Grundlage einer vertraglichen Vereinbarung mit dem Justizbereich. Der Verein verbindet praktische Deradikalisierungsarbeit mit Prävention, politischer Bildung, Erwachsenenbildung, Publikationstätigkeit und fachlicher Beratung.
Rückfragen bitte schriftlich an: deradaustria@gmail.com



